A Theater, BBQ & Rock’n’Roll bei Fleischer Dario Cecchini A: 1

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Theater, BBQ & Rock’n’Roll bei Fleischer Dario Cecchini

Dario Cecchini & MotionCooking

Wer schon mal von Dario Cecchini gehört hat, weiß dass er kein normaler Fleischer ist. Er ist eine ganz außergewöhnliche Person mit außergewöhnlichen Werten. Mit seinem Charakter und Temperament hat er sich spätestens durch seinen Auftritt in der Netflix Serie „Chef’s Table“ weltweit einen Namen gemacht. Umso aufgeregter bin ich gewesen, als ich mich am 6. Juni auf den Weg von Graz in die Toskana nach Panzano gemacht habe, um ihn kennenzulernen. Eigentlich ist mein Ziel die Curtice Brothers – Bio Saucen Produktion in der Toskana gewesen. Aber mein guter Freund Mario C. Bauer, Gründer von Curtice Brothers kennt Dario Cecchini persönlich und deswegen habe ich das Glück gehabt, bei Dario’s Macelleria einen Zwischenstop einzulegen, um ihn kennenzulernen.
Dario unterstützt meine Ketchup-Freunde vom ersten Tag an und verwendet das Bio-Ketchup in all seinen Burgern.

Unscheinbar doch weltberühmt – Dario Cecchinis Fleischerei  

Nach acht Stunden Fahrt und zwei Pinkelpausen – was muss das muss – bin ich endlich in Panzano angekommen. Ich hab das Dorf davor gar nicht gekannt. Das liegt wohl auch daran, dass es dort bis auf Darios Fleischerei – und der traumhaften Aussicht – nicht viel gibt. Ich bin durch die engen Straßen gefahren, auf dem Weg zum Gästehaus von Darios Schwester. Im Dorf selbst ist nicht viel los gewesen. Aber auf einem Straßenabschnitt sind mir locker 30 Menschen entgegengekommen. Nein, das waren nicht die Motion Cooking Groupies, vielmehr war es der Dario Cecchini „Fan-Club“. Sie alle sind gerade aus der Fleischerei oder in die Fleischerei gegangen. Ich hab zwei Mal hingeschaut, was da eigentlich gerade passiert, da die Macelleria selbst wirklich sehr unscheinbar ist. Nur die vielen Leute davor lassen erahnen, dass es hier etwas Besonderes gibt. Ich bin super aufgeregt gewesen. Aber bevor es für mich in die Fleischerei gegangen ist, hab ich das Gästehaus von Darios Schwester bezogen. Das Haus ist wirklich traumhaft schön. Die Einrichtung ist typisch italienisch mit viel Liebe zum Detail und vielen persönlichen Elementen. Der Ausblick über die hügelige Landschaft der Toskana ist wirklich unglaublich. Ich hab dort Mario getroffen und hab mich gemeinsam mit ihm auf den Weg zu Dario Cecchinis Fleischerei gemacht.

Italienische Gastfreundschaft und pure Lebensfreude

Vor dem rot-weiß gestrichenen Geschäft steht eine Keramik-Kuh und Menschen tummeln sich vor dem Eingang. Schon von weitem haben wir die lautstarke Stimme von Dario Cecchini gehört. Ich bin ein Fan vom italienischen Temperament und der Gastfreundschaft. Dario hat uns sofort herzlich begrüßt und umarmt. Wer jetzt meint „ach, das war bestimmt nur Show“, der liegt falsch. Klar, Dario Cecchini ist eine Rampensau. Aber diese Herzlichkeit und die Freude uns zu sehen, sind echt gewesen. Es hat ihn gefreut, dass wir extra wegen ihm nach Panzano gekommen sind.

Doch zuerst: Wein

Wenn man eine normale Fleischerei betritt, stellt man sich an, bestellt sein Fleisch, bezahlt und geht wieder. Aber die Fleischerei von Dario ist keine normale Fleischerei. Wenn du da die Fleischerei betrittst, gibt’s erstmal ein Glas Rotwein. ACDC schallt durch die Macelleria, eine Kellnerin tanzt zwischen den Kunden und erzählt uns lautstark ein paar Geschichten auf italienisch. Ich muss gestehen, mein Italienisch ist etwas eingerostet bzw. kann ich gar nicht Italienisch, aber mit ein bisschen mehr Wein hab ich gleich mehr verstanden.

Kleine Fleischerei – besondere Produkte

Die Fleischtheke bei Dario Cecchini ist nicht besonders groß. Aber es kommt ja bekanntlich nicht auf die Größe an. In Darios Macelleria gibt’s auch selbsteingelegtes Gemüse und eingekochte Speisen. Direkt neben der Theke sieht man durch eine Glastür in die Reifekammer der Fleischerei. Dort hängen riesige Stücke vom Rind. Im oberen Stock der Fleischerei befindet sich das „Restaurant“. Eigentlich steht da nur ein riesiger Tisch und auch der Holzkohlegrill, auf dem Dario sein Fleisch für seine Gäste grillt. Leider hat der Chef an diesem Tag so viel zu tun gehabt, dass wir nicht gemeinsam grillen konnten. Aber egal wie viel gerade in der Fleischerei los gewesen ist, Dario hat jeden freundlich begrüßt, Wein angeboten und seine Lebensfreude mit Kunden und Lieferanten geteilt.

Dario Cecchini und der Zero-Waste Gedanke

Kommen wir zum wichtigsten Teil – zum Fleisch. Darios Schlachtruf passt hier perfekt:

To Beef or not to Beef!

Dario Cecchini

Dario Cecchini ist auf der ganzen Welt bekannt für sein Fleisch. Aber eines gleich vorweg: Wer auf der Suche nach einem medium gebratenen Steak mit fancy Beilagen ist, ist bei ihm falsch. Mit seinem Fleisch möchte Dario ein Lebensgefühl vermitteln. Die Wertschätzung des Tieres steht bei ihm ganz klar im Vordergrund. Er verwertet das ganze Tier – von der Nase bis zum Schwanz. Genau das finde ich so gut an Dario, weil das genau meine Einstellung widerspiegelt. Man muss nicht immer nur das Filetsteak am Teller haben. Es gibt so viele Cuts, jeder schmeckt anders, jeder schmeckt gut. Für unser Fleisch stirbt ein Tier, das muss man ganz unverblümt sagen. Deswegen sollte man meiner Meinung nach auch alles davon verwerten und nichts wegschmeißen.

Das beste Steak der Welt?

Neben einer gewissen Trinkfestigkeit sollte man bei Dario Cecchini auch viel Hunger mitbringen. In der Macelleria kommen riesige Stücke Fleisch auf den Grill. Wer sich exotische Würzungen oder Marinaden erhofft ist bei Dario an der falschen Adresse. Er hält sein Fleisch ganz pur und ursprünglich. Der Fokus liegt auf hochwertigen Zutaten, Qualität und bestem Fleisch. Gewürzt wird lediglich mit seiner eigenen Salz-Kräutermischung. Außerdem kommt das Fleisch eher rare auf den Teller – ich mag das sehr, aber das ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Ich finde die Philosophie von Dario super – kein Schnickschnack, pures Fleisch und beste Zutaten.
Die Curtice Brothers Saucen waren natürlich auch auf allen Tischen zu finden.

All you can eat Dinner bei Dario

Abends hatten wir bei Dario ein „All you can eat dinner“ bestehend aus acht Gängen – Hauptzutat Fleisch.

Beef Tatar

Ursprünglichkeit und der pure Geschmack seiner Zutaten stehen bei Dario wie gesagt im Vordergrund. Das spiegelt sich auch bei seinem Beef Tatar wider. Statt mariniertem Fleisch gibt’s Dario’s Salzmischung, Zitrone und Olivenöl.

Seared Rump Carpaccio

Das Carpaccio vom Grill hat mir auch sehr gut geschmeckt. Wie es sich für ein Carpaccio gehört war das Fleisch recht rare, aber ich mag das gerne.

Steaks & Beilagen

Uns sind drei Steak-Cuts serviert worden, Costata alla Fiorentina (Bone-in Rib eye), Bistecca Panzanese und Bistecca Fiorentina (T-Bone). Wer in Italien, besonders in der Toskana, schon mal Steak gegessen hat, weiß, dass das Bistecca Fiorentina DIE Spezialität schlechthin ist. Ich muss aber gestehen, dass mein Favorit ganz klar das Bistecca Panazene gewesen ist. Die Marmorierung und der Geschmack haben mich da absolut überzeugt. Als Beilagen haben wir Tuscan Beans – weiße marinierte Bohnen und eine Ofenkartoffel mit Chianti „Butter“ bekommen. Ich will nicht übertreiben, aber der Erdapfel mit Chianti-Butter ist einfach nur geil gewesen. Gut, mit Butter hat das eigentlich nicht viel zu tun. Im Prinzip füllt man die Ofenkartoffel mit einem Mix aus Schmalz und Kräutern. Das klingt vielleicht nicht für jeden sexy, aber ich könnte mich darin wälzen, so gut war das. (Klingt jetzt doch sexy 😛 )

Brot ohne Salz – eine Spezialität aus der Toskana

Zu den verschiedenen Gängen hat es ungesalzenes Brot gegeben. Das klingt jetzt nicht ganz so gut. Spoiler: Ist es auch nicht. Aber hinter dem Brot steckt eine Geschichte. Ein blutrünstiger Papst ließ das Salz früher unverschämt hoch besteuern, sodass sich kaum noch jemand Salz leisten konnte. Wer Salz hatte, nutzte es, um Lebensmittel haltbar zu machen, zum Würzen und natürlich auch zum Brotbacken.
Da sich jedoch niemand Salz zum Brotbacken leisten konnte, ist das „Filone Sciapo“ – „der fade Brotlaib“ entstanden. (Der Name ist Programm) Mittlerweile gibt’s in der Toskana wieder genug Salz, aber das Brot ist geblieben. Dort wird es gemeinsam mit Antipasti oder anderen italienischen Köstlichkeiten gegessen, um die Marinade aufzusaugen. So ist die Tragik des fehlenden Salzes schnell vergessen.

Mein finaler Eindruck

Bei Dario Cecchini in Panzano isst du nicht in einem eleganten Haubenlokal und dich erwarten auch keine ausgefallenen Gerichte. Dafür gibt’s ehrliche, bodenständige Küche und italienische Gastfreundschaft. Dario verwendet nur Zutaten in höchster Qualität und das beste Fleisch. Besonders gut gefällt mir seine Nose2Tail-Philosophie. Das bedeutet, dass er das komplette Tier von der Nase bis zum Schwanz verwertet und nichts wegwirft. Er ist eine beindruckende Persönlichkeit, die mit seiner Lebensfreude jeden ansteckt. Ich hab mit Dario auch noch ein Interview geführt – das kannst du dir in meinem Video (LINK) ansehen.

*DER BEITRAG ENTHÄLT WERBUNG